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    Quartalsbericht 3.quartal 2015

    Die Börsen im Blick (3. Quartal) 2015

    Der Start in das dritte Viertel dieses Börsenjahres stand noch ganz unter dem Eindruck der griechischen Staatsschuldenkrise. Mit der Einigung auf ein drittes europäisches Kreditpaket im Juli verließ dieses Thema die Schlagzeilen. Ab August beherrschten Sorgen um das Wachstum in China die Weltbörsen. Damit mussten auch die Erwartungen an das Wirtschaftswachstum weltweit reduziert werden, was zu hohen Kursverlusten bei Aktien und Rohstoffen führte. Die Anleihemärkte profitierten dagegen von den damit geringeren Inflationsgefahren und der sinkenden Wahrscheinlichkeit rasch steigender Zinsen.

     

    Währungen, Zinsen, Renten und Rohstoffe

    Die Kapitalmärkte fieberten einer ersten Leitzinserhöhung der amerikanischen Notenbank entgegen. Sie war lange Zeit für den Sommer erwartet worden, wurde aber unter dem Eindruck der chinesischen Wachstumsabschwächung verschoben.

    Die Anleihemärkte hatten im zweiten Quartal unter der Erwartung einer guten Weltkonjunktur und damit steigenden Wahrscheinlichkeiten für Preissteigerungen und Leitzinserhöhungen gelitten. Die im dritten Quartal aufkommenden Sorgen um China und damit das Wachstum der gesamten Weltwirtschaft sprechen aber gegen Zinserhöhungen und brachten den Rentenmärkten Kursgewinne. Deutsche Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit, die zur Jahresmitte noch eine Rendite von 0,81 Prozent hatten, stiegen im Kurs, so dass ihre Rendite auf 0,57 Prozent fiel, etwa das Niveau vom Jahresbeginn. Auf diesem Niveau lag auch die in der hier abgebildeten 3-Monats-Grafik die Umlaufrendite.

     

    Auch bei US-amerikanischen Staatsanleihen sank die laufende Rendite wieder in die Nähe des Jahresauftakts, bei Zehnjährigen von 2,36 auf 2,07 Prozent, bei 30 Jahren Laufzeit von 3,12 auf 2,88 Prozent. Anfang des Jahres hatte die Rendite zehnjähriger US-Treasury-Bonds bei 2,17 und dreißigjähriger T-Bonds bei 2,75 Prozent gelegen. Die Anleihemärkte konnten also die im ersten Halbjahr mehrheitlich entstandenen Kursverluste im dritten Quartal wieder ausgleichen. 

    An den Devisenmärkten war die Abwertung der chinesischen Währung das beherrschende Thema. Die chinesische Notenbank steuert den Wechselkurs ihrer Währung in einer staatlich festgesetzten Bandbreite. Im August wurden die Märkte weniger vom Ausmaß der Wechselkursveränderung als von ihrer Richtung als solche überrascht: Erstmals wertete China seine Währung ab. Dieser Schritt wurde als letztes Mittel interpretiert, um einer schwächeren Wirtschaft zu helfen und löste die heftigen Turbulenzen an den Börsen aus. Der Dollar/Euro-Wechselkurs spielte dagegen keine große Rolle, pendelte er doch in einer recht engen Bandbreite von 1,08 bis 1,16 Dollar pro Euro seitwärts. 

     

    An den Rohstoffmärkten lösten die Sorgen um die Weltkonjunktur nach dem Preisanstieg im zweiten Quartal wieder Kursverluste aus. Der Rogers International Commodity Index (RICI) fiel um 14,6 Prozent, womit sich der Rückgang seit Jahresbeginn auf 18,1 Prozent vergrößerte. Sinkende Preise dominierten gleichermaßen bei Agrarrohstoffen, bei Industriemetallen und bei Energieträgern. Der Ölpreis, der sich im zweiten Quartal zumindest stabilisiert hatte, fiel in Erwartung einer schwächeren Weltkonjunktur im dritten Quartal um 21 Prozent. Mit 46,63 Dollar für die amerikanische Ölsorte „West Texas Intermediate“ und 49,46 Dollar für die europäische Sorte „Brent“ kostete Rohöl Ende September pro Barrel rund 7,50 Dollar weniger als bei Jahresbeginn. 


    Anders als in vergangenen Zeiten drosseln die Ölförderländer ihre Produktion nicht, um die Preise hoch zu halten, sondern liefern sich einen Preiskampf. Gemessen an den höheren Preisrückgängen bei anderen Rohstoffen hielten sich die Edelmetalle Gold und Palladium vergleichsweise stabil. Der Preis für eine Feinunze Gold, der sich im ersten Halbjahr letztendlich kaum verändert hatte, verringerte sich im dritten Quartal um rund 5,4 Prozent auf 1.116,40 Dollar. Die gleiche Menge Palladium kostet 664,50 Dollar, kaum weniger als Mitte des Jahres, aber 16 Prozent weniger als bei Jahresbeginn.


    Die Erwartung etlicher Beobachter, der Ölpreis werde sich nach seiner Halbierung im zweiten Halbjahr 2014 rasch wieder erholen, erwies sich als falsch. Rohöl der europäischen Sorte Brent wurde im ersten Quartal um 4,4 Prozent billiger, blieb aber bis zum Quartalsende über dem Mitte Januar markierten Mehr-Jahres-Tief von 47,90 Dollar. In den USA fiel der Preis für ein Barrel der Sorte „West Texas Intermediate“ (WTI) auf ein neues 6-Jahres-Tief unter 45 Dollar. Die Internationale Energieagentur erwartet für das erste Halbjahr 2015 ein Überangebot von zwei Millionen Barrel täglich und ein langsameres Nachfragewachstum. Dennoch erklärte der weltgrößte Ölexporteur, Saudi-Arabien, dass seine Fördermenge derzeit nahe dem Rekordvolumen von fast 10 Millionen Barrel pro Tag läge und nicht verringert werde. Das Angebot aus dem Nahen Osten könnte sogar noch größer werden, wenn der Iran nach einer Einigung im Atomstreit an den Ölmarkt zurückkehren darf. Auch die Menge russischen Rohöls auf dem Weltmarkt dürfte weiter steigen, weil die inländische Nachfrage aufgrund der Rezession dort fällt. Gleichzeitig wird in den USA inzwischen so viel Öl gefördert wie seit November 1972 nicht mehr: rund 9,4 Mio. Barrel täglich. Die US-Ölreserven sind auf den höchsten Stand seit Januar 1984 gestiegen: Neben knapp 700 Millionen Barrel strategischer Ölreserven lagern in den USA gegenwärtig gut 450 Millionen Barrel.


    Der Goldpreis machte zwar mit dem Anstieg bis 1.300 Dollar pro Unze Mitte Januar einen Versuch, aus seinem Abwärtstrend auszubrechen. Schon in der letzten Januarwoche folgte aber der Rückfall. Das Quartal beendete der Goldpreis schließlich unverändert bei 1.181 Dollar pro Unze. Aus Sicht eines Euro-Anlegers entwickelte sich Gold in den letzten 12 Monaten allerdings nicht positiv wie der hier beigefügte Chart zeigt.   

     

    Aktienmärkte

    Mitte des Jahres hatten zunächst noch die langwierigen Verhandlungen mit der griechischen Regierung über neue Hilfskredite die Aufmerksamkeit der Börsianer auf sich gezogen. Mit der Einigung auf neue Überbrückungskredite wurde dann der Blick auf die Unternehmensergebnisse des zweiten Quartals bzw. ersten Halbjahres frei, die in den Sommermonaten veröffentlicht wurden. In vielen Fällen wurden die Erwartungen nicht erfüllt, darunter beim nach Börsenwert größten Unternehmen der Welt, Apple. 


    Als die Volksrepublik China im August überraschend ihre Währung, Yuan bzw. Renminbi abwertete, reagierten die Weltbörsen mit großer Sorge: China ist nach den USA mittlerweile die größte Volkswirtschaft der Welt. Berücksichtigt man die in China niedrigeren Lebenshaltungskosten, haben alle chinesischen Konsumenten zusammen sogar mehr Kaufkraft als die US-Amerikaner, was China für eine steigende Zahl von Unternehmen zum wichtigsten Absatzmarkt macht.

     

    Im August kam es darauf zu hohen Kursverlusten an den meisten Aktienmärkten. Deutlich bessere Konjunkturdaten aus Europa wurden kaum gewürdigt, weil man davon ausgehen muss, dass eine Wachstumsschwäche Chinas letztendlich die ganze Weltwirtschaft betreffen wird. Zwar hielten die panikartigen Verkäufe nicht lange an, die neu entstandenen Abwärtstrends bei den meisten Aktienindizes wurden aber im Laufe des Septembers bestätigt. 

    Der MSCI Welt-Aktienindex verzeichnet für das dritte Quartal schließlich einen Rückgang um 8,9 Prozent. Etwas geringer, meist um 7 Prozent, fielen die Verluste bei US-amerikanischen Aktien aus, wobei der Nasdaq-100-Index nur 4,9 Prozent verlor, der Nasdaq Biotech Index aber 18 Prozent. Die höheren Kursverluste bei Biotechnologie-Aktien wurden durch eine politische Diskussion um zu hohe Medikamentenpreise ausgelöst, die die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton angestoßen hatte.

     

    In Europa summierten sich die Kursverluste des dritten Quartals gemessen an den Standardindizes STOXX-50 und Euro-STOXX-50 schließlich auf 9,5 Prozent, womit die zwischenzeitlich deutlich zweistelligen Kursgewinne im Jahresverlauf wieder vollständig verloren gegangen sind. Dies gilt auch für deutsche Aktien, wo der DAX im dritten Quartal sogar 11,7 Prozent verlor. Mit 9.660 Punkten geriet auch der Deutsche Aktienindex gegenüber Jahresbeginn leicht (1,5 Prozent) in der Verlustzone. Mit ursächlich dafür war auch der massive Kurseinbruch der Volkswagen-Aktie, deren Vorzugs-Aktien von rund 250 Euro auf unter 100 Euro nachgaben. 

     

    Noch höhere Kursverluste verzeichneten die meisten Aktienmärkte in Asien und in Schwellenländern. Der Grund für die Kursverluste liegt vor allem in den Sorgen um die Wirtschaftsentwicklung in China, so in Japan, wo der der Nikkei-225-Index im dritten Quartal 14,1 Prozent fiel und damit gegenüber dem Jahresbeginn leicht (0,4 Prozent) im Minus liegt. 

     

    Die höchsten Kursverluste waren aber an den chinesischen Börsen selbst zu verzeichnen: Der Hang Seng-Index in Hongkong verlor von Mitte des Jahres bis Ende September 20,6 Prozent, der MSCI-China 23,2 Prozent, der Hang Seng China Enterprise Index 27,5 Prozent, der B-Index der Börse Schanghai 28,3 Prozent und die Börse Schenzhen sogar 30,4 Prozent. Allerdings muss dieser Crash ins Verhältnis zu den irrwitzigen vorausgegangenen Kursgewinnen gesetzt werden. So steht der Schanghai-B-Index Ende September sogar noch 6,5 Prozent höher als bei Jahresbeginn. Dennoch gilt für die meisten Aktienmärkte im laufenden Jahr: „Wie gewonnen so zerronnen.“ Und erst das jetzt begonnene vierte Quartal wird entscheiden, wie das Börsenjahr 2015 am Ende ausfallen wird.


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